DETEKTEI LUCHS

Wirkung von Drogen - hier: Amphetamine


AMPHETAMINE

1. Inhalte

·       Herstellung, Stoffe

·       Erscheinungsbild

·       Konsummuster, Dosierung

·       Wirkungen bei akutem und chronischem Konsum

·       Entzugssyndrom

·       Verkehrsrelevante Wirkungen

·       Anhaltspunkte bei Verdacht auf Konsum

·       Toxikologischer Nachweis

2. Herstellung, Stoffe

Amphetamine werden durchweg synthetisch aus einfachen Ausgangschemikalien hergestellt.

Man unterscheidet:

·       Amphetamin, Methamphetamin (Szene-Jargon: "Speed")

·       Medikamente mit amphetaminartiger Wirkung:

> Fenetyllin (Captagon) = BtM
> Methylphenidat (Ritalin) = BtM
> Amphetaminil (AN 1) = verschreibungspflichtig

Die Wirkung dieser Medikamente, die als Psychostimulanzien und Dopingmittel Verwendung finden, beruht z.T. auf der Freisetzung von Amphetamin bei der Körperpassage.

3. Erscheinungsbild

Weiße bis beigefarbene, selten gefärbte Pulver, Kapseln oder Tabletten. Illegal gefertigte Amphetamine besitzen oft einen intensiven "chemischen" Geruch nach den Ausgangschemikalien !

4. Konsummuster, Dosierung

Während der Einstiegsphase in den Amphetamin-Mißbrauch meist orale Aufnahme. Dosis ab 10 Milligramm. Später zunehmend oder ausschließlich intravenöse (i.v.) Injektion, verbunden mit Toleranzentwicklung und deshalb Dosissteigerung bis zu mehreren Gramm/Tag. Gelegentlich inhalativ (Rauchen).

5. Akutes Wirkungsbild, Wirkungsdauer

5.1 Vom Konsumenten empfundene Wirkungen

·       Zentrale Stimulation (aufputschend), gleichbedeutend mit einer Antriebssteigerung und damit verbundener Stimmungsaufhellung (früher fanden Amphetamine auch als Dopingmittel im Sport Verwendung)

·       Euphorie ist eher wenig ausgeprägt

·       Appetitlosigkeit, mangelndes Durstgefühl

·       Subjektives Gefühl der gesteigerten Konzentrationsfähigkeit

·       Entwicklung eines fast krankhaften Willens zum Zuendeführen einer Tätigkeit. Dabei muß die ausgeübte Tätigkeit durchaus nicht sinnvoll sein, z.B. endloses, seitenweises Schreiben von Briefen ohne sinnvollen Inhalt

5.2 Nach außen hin feststellbare Wirkungen

·       Nervosität

·       Geschwätzigkeit

·       Motorische Unruhe (Zappelphilipp!)

·       Objektive Unfähigkeit, sich zu konzentrieren (Ideenflucht)

·       Unfähigkeit, folgerichtig zu denken

·       Erweiterte, lichtstarre Pupillen

·       Zähneknirschen

·       Zittern, Schlaflosigkeit

·       Todesfälle durch Überdosierung kommen vor

5.3 Wirkungseintritt, -dauer

Wirkungseintritt (intravenös): Innerhalb von Sekunden, oral innerhalb von Minuten.

Wirkungsdauer: Einige Stunden

6. Mögliche Auswirkungen chronischen Amphetamin-Konsums

·       Bei mehrmaliger Aufnahme binnen kurzer Zeit läßt die Wirkung deutlich nach

·       Hierdurch bedingte Dosissteigerung bis in den Bereich von mehreren Gramm pro Tag infolge Gewöhnung und Toleranzentwicklung gegenüber der Drogenwirkung

·       Übergang zum wiederholten i.v. Konsum über mehrere Tage und Nächte. Danach pathologischer Schlafzustand über einige Tage, gefolgt vom Entzugs-Syndrom

·       Bei Dauerkonsum Ausbildung massiver psychischer Abhängigkeit vom Amphetamin-Typ. Keine ausgeprägte körperliche Abhängigkeit !

·       Halluzinatorisch-paranoide Psychosen, Gewalttätigkeit

·       Depressionen

·       Subjektiver Ausweg: erneuter Konsum

·       Wechselnde Anwendung von aufputschenden und schlafinduzierenden Mitteln (Schlaf- und Beruhigungsmittel bzw. Alkohol) bei entgleistem Schlaf-Wach-Rhythmus ("uppers" und "downers"), ein Weg in die Polytoxikomanie

·       Abmagerung, körperliche Auszehrung

7. Entzugssyndrom

Keine ausgeprägten körperlichen Entzugserscheinungen.

·       Erschöpfungszustände

·       Pathologisches Schlafbedürfnis

·       Schwere bis schwerste Depressionen

·       Suizidneigung

·       Heißhunger

8. Verkehrsrelevante Wirkungen

·       Überschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit

·       Übersteigertes Selbstwertgefühl

·       Fehleinschätzung der gegebenen Situation

·       Realitätsverlust, Verwirrtheit

·       Erweiterte, lichtstarre Pupillen: Lichtüberflutung bei Helligkeit, fehlende Helladaptation des Auges

·       Dramatischer Leistungsabfall und dadurch auch Fahruntüchtigkeit in der Entzugsphase

9.Toxikologischer Nachweis in Körperflüssigkeiten

·       Im Blut: etwa 1 Tag nach letztmaligem Konsum

·       Im Urin: etwa 2 bis 3 Tage nach letztmaligem Konsum

Durch eine Haaranalyse kann - beispielsweise zur Beurteilung der Fahreignung - ein gewohnheitsmäßiger bzw. monatelang zurückliegender Konsum nachgewiesen bzw. bestätigt werden.

 

Fallbeispiel:

Tagsüber, ländliche Gegend:

Der Polizeiinspektion in H. wurde mitgeteilt, eine männliche Person sei mit einem PKW (BMW der 5er-Reihe) über ein landwirtschaftliches Feld gefahren und schließlich mit den Vorderrädern in einem Entwässerungsgraben zum Stehen gekommen. Der Mitteiler bot dem Fahrer seine Hilfe an, worauf dieser fluchtartig wegrannte.

Nach Eintreffen der Polizei kehrte der Fahrer zurück. Er redete wirr und zusammenhanglos und konnte keine plausible Erklärung geben. Keine "Alkoholfahne", AAK 0,0 ‰.Stark erweiterte Pupillen.

Die ärztliche Untersuchung anläßlich der Blutentnahme ergab unsicheren Gang, Faxen bei der Untersuchung, unsichere Finger-Nase-Probe, Denkablauf perseverierend, verworren, euphorische Stimmungslage, Beeinträchtigung des Konzentrationsvermögens bei gesteigertem Antrieb, Zittern, dauernde Bewegungsunruhe sowie stark erweiterte Pupillen.

Ergebnis der tox. Untersuchung:

Amphetamin + + + +

Stellungnahme des Gutachters:

Fahruntüchtig infolge akuter Amphetamin-Intoxikation. Die beobachteten psychophysischen Auffälligkeiten sind hieraus zwanglos zu erklären.

11. Zusammenfassung

Amphetamine

(Amphetamin und Methamphetamin) werden synthetisch hergestellt.

Die wichtigsten Wirkungen

sind erweiterte, lichtstarre Pupillen, zentrale Stimulation (aufputschende Wirkung), Konzentrationsverlust, Rastlosigkeit, Dosissteigerung sowie ein subjektives Gefühl der Leistungssteigerung bei objektiver Leistungseinbuße.

Bei chronischem Konsum

kommt es zu massiver psychischer Abhängigkeit mit Psychosen.

Der Entzug

ist durch schwere Depressionen gekennzeichnet.

Massive Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit

liegt sowohl im akuten Rausch als auch während des Entzugs vor.

Die Ausführungen sind Schriftenreihen der bast entnommen.

Weitere Infos